Krieg oder Krieg - NATO vs. Russland


Hm, sein wir mal ehrlich. Keine Militärmacht dieser Erde ist heute in der Lage Russland erfolgreich konventionell auf seinem eigenen Territorium anzugreifen. Andererseits ist es völliger Blödsinn anzunehmen Russland könnte ein Interesse haben dergleichen in einem seiner Nachbarländer zu tun.

Wir sollten uns daher die zunehmende Präsenz und Provokationen von US und NATO Einheiten an der Grenze zu Russland einmal genau anschauen, um nicht durch falsche hysterische Warnungen vor einem bestehenden Angriff der NATO auf Russland unglaubhaft zu werden. Die wirkliche Lage ist nicht minder gefährlich, die Zielrichtung ist aber eine andere als morgen gen Moskau zu marschieren.

Als Russland das letzte mal konventionell angegriffen wurde standen an seiner Grenze drei Millionen kampferprobte Soldaten mit über 600.000 Fahrzeuge, 3.600 Panzer und 7.100 Geschützen sowie etwa 2.000 Flugzeugen. Die aktuell beschlossene Stationierung von 4 NATO-Bataillonen, welche effektiv jeweils aus etwa 600 Soldaten plus Unterstützung bestehen sind keine echte militärische Bedrohung Russlands. Ein Manöver mit 30.000 Soldaten, wie aktuell in Polen durchgeführt, ist letztlich nur ein Fliegenschiss gegen 1,2 Mill zu Verteidigung ihres Landes bereite russische Militärs. Die NATO-Bewegung bis direkt an die russische Grenze ist daher höchst provokativ, im politischen Sinne, zu einem Angriff aber höchst ungeeignet und dumm.


1. Die russischen Nachbarn

Betrachtet man mal die für einen eventuellen Überfall auf Russland als NATO-Aufmarschgebiete nutzbaren Nachbarstaaten sind Finnland (37.700 Soldaten), Estland (5.000 Soldaten) und Lettland (10.000 Soldaten) eigentlich nicht mal in der Lage ihr eigenes Territorium, gegen wen auch immer, zu verteidigen, geschweige denn irgend jemanden anzugreifen. Weißrussland ist eher pro-Russisch einzustufen und die Ukraine (336.400 Soldaten) militärisch zum größten Teil mit veraltetem Militärgerät unterwegs, welches außerdem durch den Krieg im Donbass zum großen Teil beschädigt und reperaturbedürftig ist. Dazu kommt das große Teile des Ukrainischen Militärs sich Russland und der gemeinsamen Vergangenheit durchaus noch verbunden fühlen, was zu einer Zurückhaltung großer Teile von ihnen führen wurde. Zu beobachten war dies deutlich am Beginn der Donbass-Krise, was dort der Aufstellung der Gegenwehr des VR-Widerstands deutlich entgegen kam.

Rumänien(62.000 Soldaten) und Bulgarien(29.000 Soldaten), als Grenzstaaten zum Schwarzen Meer, sind militärisch ein Witz und haben marine-technisch der  russischen Kontrolle des Schwarzen Meeres nicht entgegenzusetzen.

Die Türkei (720.648 Soldaten) ist militärisch zwar etwas besser aufgestellt und hat die Kontrolle über den Zugang zum Schwarzen Meer, effektiv sind ihre Streitkräfte aber in den letzten Jahren nicht einmal mit den teilweise aufständischen Kurden fertig geworden.

Georgien (32.650 Soldaten) ist militärisch unbedeutend und Aserbaidschan (150.940 Soldaten), trotz relativer Größe seines Militärs, in den letzten Jahren nicht in der Lage seine Interessen gegen     Bergkarabach (20.000Soldaten) und  Armenien (46.684 Soldaten) durchzusetzen.

Bleiben noch Polen (150.000 Soldaten) und Litauen (10.000 Soldaten) welche an die russische Exklave Kaliningrad grenzen. Dabei gilt für Litauen die gleiche Einschätzung wie bereits für Estland und Lettland getroffen. Polen wäre mit Sicherheit in der Lage kurzfristig Kaliningrad zu überrollen, ansonsten haben sich polnische Truppen das letzte mal 1683 vor Wien mit ihren Panzerreitern militärisch hervorgetan.

Wir sehen also bis hier hin, keiner der russischen Nachbarstaaten würde einen Angriff auf Russland überleben. Kommen wir daher zum hochgelobten NATO-Partnerschaft, welche die genannten Schwächen der Einzelstaaten ausgleichen soll.


2. Der westliche NATO-Beistand

Einmal angenommen die westlichen europäischen NATO-Staaten würden sich an die gemachten Zusagen halten, was keineswegs ausgemacht ist wie bereits im WK2 gesehen, sind sie doch militärisch ebenfalls in keiner guten Verfassung. Wenn man sich beispielsweise die Bundeswehr anschaut, ist auch diese teilweise mit veraltetem Militärgerät ausgestattet, welches teilweise nicht einmal 50% Einsatzfähigkeit aufweist, in Friedenszeiten wohlgemerkt! Wenn also die 3 flugfähigen Eurofighter der Bundeswehr über den baltischen Staaten, zum Schutz gegen Russland, aufsteigen ist dies zwar eine Provokation, für einen Ernstfall wäre es aber eine Lachnummer, da diese wohl kaum funktionierende Waffen zur Bekämpfung theoretischer Angreifer haben und selbst wenn, wahrscheinlich das Head-Up-Display und die Zieleinrichtung versagen.


Kommen wir zum einzigen, wenigstens größentechnisch, ernst zu nehmenden Gegner Russlands, die US-Streitkräfte. Diese sind eine Militärmacht welche sich in der Geschichte nur durch eines hervorgetan hat, deutlich schwächere oder durch einen langen vorherigen Krieg stark geschwächten Gegner mit Übermacht anzugreifen und manchmal dann sogar zu besiegen.

Rein zahlenmäßig ist die US-Gurkentruppe heute sicher beeindruckend aufgestellt. Aber selbst in Zusammenarbeit mit seinen europäischen NATO-Hiwis sollte Russland ein zu großer Brocken für sie sein.


3. Ein theoretischer Überfall

Die Reichweite moderner Waffen  ist so groß, dass es im Falle eines Krieges zu keiner Bildung einer Front und Hinterland kommt. Vielmehr sind moderne konventionelle Kriege von sich schnell bewegenden Einheiten geprägt welche von Stadt zu Stadt vorrücken. Dabei wird oft nur die vorhandene Infrastruktur genutzt, soll heißen westliche Einheiten sind am liebsten auf den Straßen unterwegs. (Siehe Irak-Krieg aber auch ukrainische Truppen im Donbass). Für ein solches Vorgehen ist der Besitz der Lufthoheit zur Unterstützung und zum Schutz der eigenen Truppen von entscheidender Bedeutung. Es ist daher wichtig eine entsprechende Menge Flugfelder in der Nähe des Einsatzgebietes zu besitzt welche Lufteinsätze einer entsprechend hohen Zahl an Flugzeugen tragen können. Es nutzt nichts, rein Zahlenmäßig deutlich mehr Flugzeuge zur Verfügung habt wenn man sie nicht betanken und wieder aufrüsten kann um sofort wieder zu starten. Die nutzbaren Flugfelder in den Nachbarstaaten Russland sind deutlich begrenzt und auch logistisch wenig auf NATO Kampfflugzeuge ausgerichtet.

Seit dem 2.Weltkrieg wird die Bereitstellung solcher Flugfelder bei fehlender Infrastruktur vor Ort von den US-Streitkräften durch ihre Flugzeugträger-Flotte gewährleistet. Diese ist aber für

einen theoretischen Angriff auf Russland, durch seine geographische Lage kaum nutzbar. In Ostsee und Schwarzem Meer ist Russland in der Lage jedes Schiff binnen kürzester Zeit zu entdecken und zu zerstören, das Polarmeer ist so wieso russischer Hinterhof sowie für amerikanische Flugzeugträger kaum befahrbar und ein Angriff im Nordpazifik auf Grund der Weite des zu überfliegenden Sibiriens wenig wirkungsvoll. Aber gut, klammern wir diese Bedenken mal und nehmen an die US-Hiwi-Truppen erringen irgendwie die Luftüberlegenheit über russischem Territorium und rücken vor.

Moderne Militärkräfte sind extrem unterstützungslastig. Panzer, Fahrzeuge und Artilleriegeschütze brauchen eine enorme und hoch entwickelte Nachschublinie. Außerdem sind sie sind im Einsatz deutlich höheren Beanspruchungen ausgesetzt und müssen  ständig repariert werden. Zu beobachten war das wiederum im Donbass wo eine anfänglich technische Überlegenheit der ukrainischen Truppen mangels begleitender Reparatur-Einheiten schnell verflog und zurückgelassenes Material von den VR-Truppen übernommen wurde.

    

Diese Nachschublinien und Reparaturmöglichkeiten, verfügbaren Ersatzteilen wären bei der Größe Russland für eine Eroberungsarmee nicht herzustellen und schon gar nicht zu schützen. Dies kann schon bei deutlich geringerer Tiefe des Eindringens in feindliches Territorium zum Problem werden wie uns die Kesselschlachten im Dobbass bei Ilowajsk und Debalzewo erst vor kurzem zeigten. Bei der Tiefe Russland, mit den ihnen auf ihrem eigenen Territorium zur Verfügung stehenden Versorgungslininen würden eindringende Truppen wohl maximal 100km vordringen können ehe sie eingekesselt und von ihren Rückwärtigen Diensten abgeschnitten ihrer Vernichtung entgegensehen würden.

Als letztes möchte ich noch auf das Problem des Haltens der einmal eingenommenen Städte hiweisen. Eine Eroberungsformation welche wie bereits erwähnt von Stadt zu Stadt vorrückt muss diese beim weiteren vorrücken sichern. Dies würde im Falle russischer Städte große Kontingente an Soldaten binden, da nicht davon auszugehen ist das die Bevölkerung wie im zum Beispiel Irak still hält. Auch hier ist es wieder das aktuelle Beispiel des Donbass welches uns zeigt das Russen sich nicht einfach in ihr Schicksal ergeben sonder sich zu wehren wissen. Es zeigt auch das sie sich dabei nicht wie westliche Armeen nur auf den Straßen bewegen sondern in der Lage sind in die Wälder auszuweichen.


Wir sehen also das der beliebte Mythos von der NATO-Kriegsvorbereitung gegen Russland so nicht wirklich stimmig ist. Auch in Hinsicht auf die in diesem Text nicht betrachteten nuklearen Potentiale ergibt sich aktuell noch ein ähnliches Bild. Das gepriesene Anti-Raketen-System kann im besten Falle hoffen, einige wenige Raketen abzufangen. Die Politik der NATO und des Westens ist aber trotzdem in keiner Weise harmlos. Im Gegenteil.



4. Was ist der wirliche Plan

Das vorrücken der NATO-Verbände an die russischen Grenzen erfüllt mehrere Zwecke.

1. Abstecken von US-amerikanisch als politisch erobert betrachtetes  Territorium und Eingrenzen/Einengung sowie Isolierung Russlands.

2. Sicherung dieses Territoriums gegen eventuelle Bestrebungen der Bevölkerungen sich wieder auf eine Zusammenarbeit mit Russland zu besinnen, sollten sie jemals ihre pro-amerikanischen Eliten abschütteln.

3. Nutzung dieser Staaten für weitere Provokationen gegen Russland um es zu einem Krieg zu provozieren. Sie und auch die dort stationierten NATO-Soldaten sind letztlich nichts anderes als einkalkulierte Bauernopfer um dieses Ziel zu erreichen. Sie zu verteidigen und zu halten ist so wieso nicht möglich und eingeplant. Die angestrebte Dynamik würde zu einem Kriegsschauplatz Ost-Europa führen in welchen das US-Amerikanische Militär in gewohnter Weise am Ende, heldenhaft gegen das durch den Krieg geschwächte Russland siegen wollen will.

 Die USA sind bereit, gegen Russland in Europa zu kämpfen und es zu besiegen.“ – US General Breedlove 26.2.2016


Um dieses Ziel zu erreichen werden nach meiner Einschätzung in Zukunft zunehmende Provokationen gegen Russland zu erwarten sein. Ein denkbares Szenarieo ist zum Beispiel eine zunehmende Unterdrückung der russischen Minderheiten in Estland, Litauen und  Lettland welche heute in diesen Ländern schon als entrechtete Bürger 2. Klasse behandelt werden. Ebenfalls denkbar  sind Provokationen durch Polen unter beliebigen Vorwänden gegen Kaliningrad aber auch die ukrainischen Eliten scheinen noch bereit zu sein ihren Anteil für eine Provokation Russland zum Krieg leisten zu wollen. Es bleibt abzuwarten.

Der jetzige russische Präsident, Wladimir Putin und seine Getreuen, waren bis heute in der Lage angemessen, weise und besonnen auf jede bisherige Provokation zu antworten. Sei es die wahrscheinliche Versenkung der Kursk(https://www.youtube.com/watch?v=HcmFEGYhkdI) durch ein amerikanisches U-Boot, am Beginn seiner Präsidentschaft, bis hin zum us-gesteuerten Ukraine-Putsch. Es bleibt zu hoffen das ihnen das auch in Zukunft gelingt. Vielleicht können sie sich ja dabei auch irgendwann auf die Unterstützung einer erwachten europäischen Bevölkerung setzen, im Moment sieht es aber eher düster aus.

 

 

 

 

 

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